Jede Generation verändert sich. Neue Möglichkeiten entstehen, um das Leben zu vereinfachen. Doch damit wächst auch die Last, sich in unterschiedliche Themenbereiche hineindenken zu müssen. Der technische Fortschritt ist vielen Menschen eine Hilfe – jenen aber, die damit nicht umzugehen wissen, wird er ein ewiges Rätsel bleiben. Die Frage der Bildung stellt sich daher heutzutage ebenso, wie sie bereits für unsere Eltern und Großeltern stets aktuell war. Worauf wird dabei Wert gelegt, welche Eigenschaften müssen in der aktuellen Wirtschaftslage vorliegen – und geht es nicht auch gänzlich ohne Schulabschluss? Die Regeln des beruflichen Aufstiegs scheinen sich in den letzten Jahrzehnten jedoch nicht gravierend verändert zu haben.

Ohne Schulabschluss zur Karriere?

Wer sich einmal umsieht, kann zahllose Beispiele für Personen finden, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und damit nun nahezu den Status eines Popstars erreichen. Menschen, die ihr Leben in Wort und Bild festhalten, um anschließend als gefeierter Held die Bloggerszene zu revolutionieren. Oder solche, die eigene Videos drehen und produzieren, um diese auf der Medienplattform Youtube einem millionenfachen Publikum zur Verfügung zu stellen. Werden die grundlegenden Schritte richtig geplant und durchgeführt, können sie zu einem erheblichen Einkommen führen. Der Werbewert des Betroffenen steigt, das monatliche Gehalt kann inklusive aller Faktoren schnell in schwindelerregende Höhe klettern. Allerdings profitieren von diesem Glück nur wenige Künstler. Der Großteil von ihnen investiert viele Stunden an Arbeit und Mühen in derartige Projekte, nur um am Ende mit einem Salär unterhalb der Armutsgrenze abgespeist zu werden. Mit einem soliden Abschluss in Schule und Ausbildung bliebe einigen Leidtragenden dieses Schicksal erspart.

Befindet sich die „Generation Praktikum“ auf dem Vormarsch?

Dennoch darf nicht geleugnet werden, dass sich insbesondere der Einstieg in viele Berufsfelder deutlich gewandelt hat. Das klassische Bild, wonach der Schulabschluss, die Ausbildung und die Festanstellung auf Lebenszeit in geordneter Reihenfolge aufeinander aufbauen, ist nur noch selten existent. Nicht eben wenige Arbeitnehmer haben über ein Praktikum in ihre jetzige Tätigkeit gefunden. Wer sich hier in einer begrenzten Dauer beweist, hat oftmals gute Chancen, durch die Firma übernommen zu werden. Die praktischen Eigenschaften überwiegen dabei die theoretischen Kenntnisse, die durch Zeugnisse und Qualifikationsschreiben nachgewiesen werden können. Doch seien wir ehrlich, auch in diesem Punkt hat man mit einem erfolgreichen Abschluss größere Chancen, überhaupt in die Lage zu kommen, ein niveauvolles Praktikum absolvieren zu dürfen, auf dem sodann die Chance aufbaut, eine Anstellung zu erhalten. Denn die Plätze für solche Praktika sind mittlerweile heiß umkämpft – am Ende entscheiden auch dabei die besten Gesamtvoraussetzungen und das sogenannte Vitamin B (Bekanntschaften).

Ist alles gar nicht so wichtig?

Nicht unerwähnt dürfen jene Fälle bleiben, in denen sich während des Vorstellungsgesprächs gänzlich neue Möglichkeiten eröffnen. Der Personalchef zeigt sich vielleicht in besonderem Maße modern und legt auf den Schulabschluss keinen Wert. Für ihn stehen andere Aspekte im Vordergrund:

 

  • der Charakter
  • die Kreativität
  • die Loyalität
  • die persönlichen Ziele
  • die fachlichen Eigenschaften

Wer in solchen Situationen zu überzeugen weiß, kommt der Anstellung bereits ein gutes Stück näher. Und tatsächlich, immer mehr Firmen gehen dazu über, zumindest nicht die Zeugnisse alleine zu bewerten, sondern verstärkt auch die Hobbys, das soziale Engagement und die sonstigen Wesenszüge einer Person sehr genau zu betrachten und für die berufliche Tätigkeit abzuwägen. Andererseits stehen die Chancen recht gering, tatsächlich innerhalb eines Bewerbungsverfahrens auf einen solchen Chef zu treffen. Denn vor der Auswahl für das Vorstellungsgespräch muss im Regelfall ein Nachweis aller Abschlüsse und Qualifikationen eingereicht werden.

Ohne Schulabschluss geht es nicht – oder doch?

Die vorgenannten Beispiele verdeutlichen recht anschaulich, dass eine berufliche Karriere selbst dann gelingen kann, wenn während der Schulzeit oder der Ausbildung keine Bestleistungen erreicht wurden. Sogar in solchen Fällen, in denen keinerlei Abschlüsse vorliegen. Denn entscheidend ist nicht, welche Fähigkeiten eines Menschen auf dem Papier nachgewiesen werden – sondern was jeder Betroffene aus ihnen zu machen bereit ist. Überwiegt etwa das künstlerische Talent die Noten in Mathe, Deutsch oder Sport, so steht einem Werdegang als Musiker, Schauspieler oder Maler sicherlich nichts im Wege. Allerdings lohnt es sich doch, den Schulabschluss zumindest als Absicherung zu besitzen. Sollte aus der angestrebten Laufbahn einmal nichts werden – zu denken wäre an Brüche in der Biografie, an Krankheiten und Unfälle oder das leidliche Pech – so kann das Zeugnis der Schulzeit immer noch den Einstieg in einen Beruf gewährleisten und damit die soziale Rettung im Falle des Strauchelns beinhalten.

Wie wichtig ist das Abitur?

Vermehrt stellen Berufsbewerber jedoch fest, dass ihnen selbst mit dem üblichen Schulabschluss nicht alle Wege offenstehen. Immer wieder wird nach weiterführenden Qualifikationen gefragt. Selbst für vermeintlich geringwertige Tätigkeiten muss nicht selten ein höheres Niveau nachgewiesen werden. Hierbei spielt das Abitur eine wichtige Rolle. Wer 13 erfolgreiche Jahre auf der Schulbank nachweisen kann, besitzt damit gutes Allgemeinwissen. Und somit die ideale Grundlage, um sich komplexen Themenbereichen, Problemfeldern und Aufgaben zu widmen. Denn gewünscht sind solche Arbeitnehmer, die einer Abteilung oder einer Firma insgesamt weiterhelfen können, statt lediglich bestimmte Tätigkeiten zu verrichten. Das Abitur galt einst etwas abschätzig-elitär als Eintrittskarte in die Welt der Reichen und Schönen. Das mag nicht ganz stimmen. Dennoch stellt es das Ticket dar, um berufliche Höhenflüge anzustreben. Wer darüber nicht verfügt, dem bleiben gewisse Türen der Laufbahn eben dauerhaft verschlossen. Sogar dann, wenn die grundsätzlichen Eigenschaften dafür im Job vorliegen. Das ist leider, auch heute noch, die harte Realität.

Kein Grund zur Panik

Der Schulabschluss stellt vielfach eine Voraussetzung für den Erfolg dar. Mehr noch, auch das Abitur darf bei bestimmten Bewerbungen einfach nicht fehlen. Gleiches gilt für das absolvierte Studium oder die Berufsausbildung. Die Grundlagen jedweder beruflichen Tätigkeit also. Dennoch gilt, dass am Ende immer die persönlichen Eigenschaften überwiegen. Menschen, die ihre Freizeit sinnvoll nutzen, sich weiterbilden, das soziale Engagement suchen und sich als ebenso weltoffen wie hilfsbereit zeigen, besitzen sehr gute Chancen, im Bewerbungsgespräch auf sich aufmerksam zu machen. Auch die Fremdsprachen nehmen dabei einen wichtigen Stellenwert ein – zumindest des Englischen sollte der Jobanwärter vielfach mächtig sein, aber sogar exotische Mundarten wie Arabisch, Chinesisch oder Indisch können in manchen Branchen den Karriereweg ebnen. Zudem ist es entscheidend, sich mit allen seinen Stärken und Schwächen zu präsentieren. Kein Personalchef erwartet den perfekten Bewerber oder Menschen gänzlich ohne Mängel. Das Wissen um die eigenen kleinen Fehler gilt als Grundlage, diese künftig zu beheben. Und dazu braucht es keinen Schulabschluss.

 

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