Das Angebot für berufsbegleitende Weiterbildung in Deutschland wird immer größer und flexibler. Schulabschlüsse aller Art und auch Qualifikationen wie Ausbilderschein, Meisterbrief und Technikerdiplom können an Fern- oder Abendschulen nachgeholt werden. Einzig bei den Hochschul-Studiengängen sieht es im Bereich der nebenberuflichen Fortbildungen noch immer relativ mau aus. Besonders mit dem neuen System der Bachelor- und Master-Studiengänge, die einen sehr viel strafferen Lehrplan vorgeben als die alten Diplom- und Magister-Studiengänge, wird eine Kombination von Beruf und Studium für nur sehr schwer realisierbar gehalten.

Derzeit gibt es deutschlandweit eine ganze Reihe von Hochschulen, die ein Fernstudium anbieten. Lediglich die Fernuniversität Hagen ist dabei eine rein staatliche Einrichtung. Viele private Hochschulen halten jedoch eine recht eingeschränkte Auswahl an Studiengängen bereit; die meisten davon sind im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, des Ingenieurwesens oder der Informationstechnologie anzusiedeln. Allein die Hochschule in Hagen bietet die Möglichkeit, auch in sozial- oder geisteswissenschaftlichen Fächern einen Abschluss zu erwerben.

Viele Menschen schrecken jedoch vor einem Studium an einer Fernuniversität zurück, denn sie befürchten dafür nicht genug Selbstdisziplin aufbringen zu können. Vielen wäre daher ein berufsbegleitendes Studium an einer Abendschule deutlich lieber. Allerdings gibt es gegenwärtig in Deutschland nur drei Einrichtungen, an denen ein Präsenzstudium oder zumindest die Kombination aus Selbst- und Präsenzstudium möglich ist.

Die Technische Fachhochschule Georg Agricola zu Bochum bietet unter anderem Bachelor- und Master-Studiengänge zur Elektro- und Informationstechnik, zum Maschinenbau und zum Betriebssicherheitsmanagement an. Die Studierenden werden abends und an Wochenenden in Kleingruppen auf dem Campus der TFH unterrichtet. Außerdem stehen verschiedene Formen des E-Learnings zur Verfügung. Die Regelstudienzeit der Bachelor-Studiengänge beträgt 10 Semester, die der Master-Studiengänge zwischen drei und sechs Semestern.

Die Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) hat an 22 Orten in Deutschland und Luxemburg insgesamt 20 Studiengänge zu Wirtschaft, Verwaltung, IT und Management im Programm. Auch hier stehen sowohl Bachelor- als auch Master-Studiengänge zur Verfügung. Zudem besteht an zwei Studienorten die Möglichkeit, sich für Kombinations-Studiengänge einzuschreiben. Die FOM bietet drei verschiedene Studienzeitmodelle für Berufstätige an. Zum einen ist da das Abend- und Wochenendstudium. Hier kann man entweder dreimal in der Woche abends von 18:00 Uhr bis 21:15 Uhr die Vorlesungen besuchen oder freitags von 18:00 bis 21:15 Uhr und samstags von 8:30 Uhr bis 15:45 Uhr. Zum anderen gibt es das Tagesstudium, bei dem man an zwei oder mehr Tagen in der Woche Vorlesungen in einem der Hochschulzentren besucht und an den anderen im Betrieb arbeitet. Schließlich kann man noch das Blockmodell wählen, bei dem man pro Semester an einer zehnwöchige Blockveranstaltung teilnimmt und den Rest des Jahres für die volle Zeit seinem Arbeitgeber zur Verfügung steht. Die Bachelor-Studiengänge haben hier eine Regelstudienzeit von sieben Semestern, die Master-Studiengänge von vier Semestern.

Die dritte Variante, neben dem Beruf einen Hochschulabschluss zu erwerben, ist über das Verbundstudium von elf staatlichen Fachhochschulen in NRW möglich. Allerdings findet das Präsenzstudium hier fast ausschließlich an Samstagen statt und ist gekoppelt mit dem Selbststudium zu Hause. Die angebotenen Studiengänge liegen auch hier hauptsächlich im Feld der Betriebswirtschaft, Elektrotechnik und des Maschinenbaus. Die Regelstudienzeit der Bachelor-Studiengänge beträgt im Verbundstudium neun Semester, die der Master-Studiengänge fünf Semester.

Geposted am 20.09.2011 von Michael Sommerfeld