Der Abbruch eines Studiums ist eine schwerwiegende Entscheidung, die man sich sehr gut überlegen sollte. Schließlich hat man viel Zeit, Kraft, Arbeit und Geld in den bisherigen Ausbildungsgang investiert. Doch manchmal heißt es auch: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Fehlentscheidungen sollten beizeiten korrigiert werden, bevor sie weitere halbherzige Entschlüsse nach sich ziehen. Hat man sich wirklich verkalkuliert, wird den Anforderungen nicht gerecht oder kann mit seinem Studienfach rein gar nichts anfangen, so sollte man an eine Neuorientierung denken, bevor man noch mehr Energie aufbringt, um einen suboptimalen Status quo noch länger aufrecht zu erhalten.

Abbruch des Studiums

Wer sein Studium abbrechen will, steht vor großen Herausforderungen, die Energie und Planung erfordern.
Zunächst sollte man sich einige Punkte genau überlegen:

  • Was ergibt sich aus der Fortführung, was aus dem Abbruch des Studiums?
  • Welche Alternativen zum Studium gibt es kurz- und längerfristig?

Ist man sich über die Konsequenzen im Klaren, so sollte man den richtigen Zeitpunkt für die Beendigung des Studienganges finden. Mitunter ist es sinnvoll, Zwischen- oder Teilprüfungen zu absolvieren, die man später in anderen Ausbildungs- oder Studienrichtungen bzw. als Teilabschlüsse bei Bewerbungen verwenden kann. Um den administrativen Teil einer Exmatrikulation korrekt zu bewältigen, sollte man sich gegebenenfalls im Studien- oder im Immatrikulationsbüro der Universität beraten lassen. Dabei sind Fristen zu beachten. Daher ist es angebracht, sich möglichst rechtzeitig an die entsprechenden Stellen zu wenden. Bezieht man Bafög oder ein Stipendium, so sind die zuständigen Stellen fristgerecht zu informieren. Studiert man in einem dualen Bildungsgang, so muss man Ausbildungsstelle und Firma von seinem Entschluss in Kenntnis setzen und hat gegebenenfalls – je nach Vertrag – mit einer Kündigung zu rechnen. Zeitnah sollten angemessene Alternativen der Finanzierung gefunden werden.

Neuorientierung

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und man atmet sicher erst einmal auf, wenn man sein ungeliebtes Studium abgebrochen hat. Spätestens jetzt gilt es, sich überlegt, aber rasch, neu zu orientieren. Je strukturierter man plant, desto leichter gelingt die Umsetzung neuer Ideen.  Im Studium hat man neben seinen Schwächen, auch seine Stärken erfahren. Man weiß jetzt besser, was man kann, was einem liegt, was man gerne, mit Spaß und Ausdauer macht. Erkennt man hier Defizite, so sollte man eventuell professionelle Hilfe annehmen. In einem Coaching kann abgeklärt werden, welche Wünsche sich in Zukunft umsetzen lassen und wie man dieses Umsetzen eigener Vorstellungen effektiv erreicht.  Wichtig sind realistische Ziele. Hat man sein Studium abgebrochen, muss das keine Bankrotterklärung auf ganzer Linie sein. Es ist zunächst einmal die Möglichkeit, Bilanz zu ziehen und sich selbst über die eigenen Fähigkeiten Rechenschaft abzulegen. Damit werden eine Basis und die nötige emotionale Klarheit geschaffen, um die nächsten Schritte in die Zukunft zu planen. Einer Phase der Neuorientierung sollte man sich bewusst und ernsthaft stellen.

Plan B als echte Alternative

Das Wechseln der Studienrichtung oder ein Neuanfang sollten mit dem Studienbüro beraten werden. Hier kann man sich auch, nach der Anerkennung von Zwischenprüfungen und bereits absolvierten Kursen, über die neuen Fachrichtung erkundigen. Plant man eine Ausbildung, so lässt sich die Ausbildungszeit womöglich verkürzen. Auch hier sollte man sich bei den entsprechenden Stellen, wie der Industrie- und Handelskammer, beraten lassen. Sucht man einen Job zur Zwischenfinanzierung, dann können die erbrachten Studienleistungen und damit zusammenhängende Fähigkeiten, wie zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse, durchaus von Vorteil sein. Bei Bewerbungsgesprächen sollte man auf seine Fähigkeiten, Kenntnisse und Vorzüge verweisen. Es kann durchaus positiv gewertet werden, dass man eigenständig in der Lage war, Konsequenzen aus einer Fehlentscheidung zu ziehen und einen Neuanfang zu wagen. Man zeigt damit Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein, die nicht zu unterschätzende Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen sowie Mut zum Risiko.  Es muss also nicht zwangsläufig von Nachteil sein, dass man das Studium abgebrochen hat. Es gibt durchaus Bereiche, in denen Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen und Persönlichkeit eher gewünscht werden als akademische Abschlüsse.
Allerdings sollte man auch bedenken, dass ein regulärer Studienabschluss bei Gehaltsverhandlungen häufig deutlich höher bewertet wird.

Eigenmotivation als Antriebskraft

Wer sein Studium abgebrochen hat, begreift dies entweder als Niederlage oder Sieg. Aus beiden Positionen heraus, lassen sich neue Perspektiven entwickeln. Nur eines sollte man unbedingt vermeiden: Ein Studienabbruch darf kein Anlass sein, um sich treiben zu lassen. Egal, was man erreichen möchte, materiell oder immateriell, in jedem Fall sollte man seine Ziele klar, ohne sich selbst zu belügen, formulieren. In abrechenbare Abschnitte aufgeteilt, lassen sich oft auch anfangs kompliziert erscheinende Projekte erstaunlich gut umsetzen: Schritt für Schritt geht es voran. Blickt man auf das bereits Erreichte zurück, so schöpft man Mut, sammelt erneut Energie. Nicht selten ist mangelnde Motivation die Ursache für Antriebslosigkeit. Sich selbst motivieren zu können, ist eine Stärke. Den ersten Schritt hat man bereits getan, indem man das Studium abgebrochen hat. Nun müssen die nächsten Schritte folgen. Teilerfolge sollte man anerkennen und belohnen. Künftige Arbeitgeber erkennen selbstbewusste Persönlichkeiten, die eingefahrene Strukturen verlassen, durchaus an. Eigenverantwortliches, selbständiges Arbeiten wird in vielen Branchen geschätzt. Disziplin und Durchsetzungsvermögen zeigen sich gerade in schwierigen Lebenssituationen.

Es gibt viele Gründe dafür, warum man ein Studium abgebrochen hat. Wichtig ist vor allem eine gezielte Neuorientierung auf der Basis dessen, was man bisher erreicht hat. Sowohl eine neue Ausbildung, ein neuer Studienplatz als auch ein Einstieg ins Berufsleben sind möglich. Befindet man sich in einer Krisensituation, sollte man Hilfe in Anspruch nehmen. In jedem Fall empfiehlt es sich, das umfangreiche Beratungsangebot an den Universitäten sowie an berufslenkenden Einrichtungen wahrzunehmen. Gerade in dieser Umbruchsphase ist es wichtig, sich über die eigenen Stärken und Fähigkeiten im Klaren zu sein und diese bewusst einzusetzen.

 

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