Ein Abendgymnasium ist eine Einrichtung, auf der Berufstätige Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg nachholen können. Ohne ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen zu müssen, können sie ein Abitur oder die Fachhochschulreife erlangen. Der zeitliche Rahmen für den Erwerb der Fachhochschulreife beträgt je nach individueller Vorbildung zwei Jahre und mehr.

Der Unterricht an einem Abendgymnasium erfolgt in der Regel abends und auch an Wochenenden. Mit rund 20 Unterrichtsstunden pro Woche ist der Aufwand des direkten Schulbesuchs überschaubar. Wesentlich mehr Zeit müssen Schüler für Hausaufgaben sowie die Vorbereitung von Klausuren und Prüfungen einkalkulieren. Da in Deutschland der Bereich Bildung Ländersache ist, entscheiden die einzelnen Länder über Voraussetzungen für den Besuch eines Abendgymnasiums.

Für die Aufnahme der Ausbildung gilt im Allgemeinen, dass Schüler zu Beginn ihrer Ausbildung auf dem Abendgymnasium wenigstens 18 Jahre alt sein und über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen müssen. Eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit wird unter Umständen auch anerkannt. Während des Schulbesuchs müssen Schüler einer beruflichen Tätigkeit nachgehen oder regulär arbeitssuchend gemeldet sein.

Da die Ausbildungszeiten so ausgelegt sind, dass Schüler neben ihrer Berufstätigkeit lernen können, sind auch deren Lebenshaltungskosten gesichert. Finanzielle Hilfe darf derjenige erwarten, der sich im Verlauf der Ausbildung für ein Forcieren der Schulausbildung entscheidet, eine Berufstätigkeit einschränkt oder zeitweilig einstellt. Der Besuch des Abendgymnasiums erfährt nur zeitlich begrenzt eine staatliche Förderung durch elternunabhängiges BAföG. Konkret bedeutet das eine Förderung während der letzten drei Schulhalbjahre. In den meisten Bundesländern ist der Besuch kostenlos, da das Abendgymnasium der staatlichen Regelschule gleichgestellt ist. Von privaten Bildungsträgern beispielsweise in Bayern oder Baden-Württemberg wird meist ein Schulgeld erhoben. Der Besuch des Abendgymnasiums endet mit Abiturprüfungen. Bei einigen Schulen müssen Schüler eine Aufnahmeprüfung ablegen, anderen reicht der Nachweis von Haupt- oder Realschulabschluss. Wie das konkret für ein infrage kommendes Abendgymnasium aussieht, insbesondere welche Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sein müssen, muss bei der zuständigen Einrichtung vor Ausbildungsbeginn erfragt werden.

Die Abendschule oder das Abendgymnasium ist eine Einrichtung für Berufstätige, die sich nach ihrer Arbeit weiterbilden wollen. Der Unterschied zwischen beiden Schulformen besteht darin, dass die Kurse an Abendschulen das Ziel einer konkreten Weiterbildung in bestimmten Bereichen des eigenen Berufes haben. Das Abendgymnasium, eingeschlossen Abendhauptschule und Abendrealschule, stellt eine Einrichtung im allgemeinbildenden Bereich dar, die das Nachholen von staatliche Schulabschlüssen vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur ermöglicht.