In Deutschland hat jeder unselbständig angestellte Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieses Recht ist in den einschlägigen Gesetzen (Gewerbeordnung, Betriebsverfassungs- und Berufsbildungsgesetz) und Tarifverträgen geregelt.

Beim Inhalt eines Arbeitszeugnisses muss gemäß den vom Bundesarbeitsgericht aufgestellten Grundsätzen folgendes beachtet werden:

– Der Arbeitnehmer muss das Arbeitszeugnis mit „verständigem Wohlwollen“ mittragen.
– Die Aussagen über den Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis müssen der Wahrheit entsprechen.
– Alle Angaben, die für die Beurteilung des Arbeitnehmers wesentlich sind, müssen vollständig enthalten sein.
– Das weitere berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers darf nicht unnötig erschwert werden.

Andere Angaben hingegen dürfen nicht enthalten sein wie z. B.

– Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit
– Nebentätigkeiten
– Schwangerschaft und Mutterschutz
– Angaben zum Privatleben
– Teilnahme an Arbeitskampfmaßnahmen

Um den Anforderungen an den Inhalt gerecht zu werden, haben sich im Laufe der Zeit bestimmte Formulierungen ergeben. Sie sind einerseits immer positiv und im Sinne des Arbeitnehmers, andererseits entsprechen sie aber auch der Wahrheit. Um beiden gerecht zu werden, sind sie mit einem bestimmten „Code“ verschlüsselt. Wer sie entschlüsseln möchte, sollte ein Arbeitszeugnis durch einen Experten prüfen lassen. So bieten Gewerkschaften einen entsprechenden Service an. Möglich Formulierungen und ihre tatsächliche Bedeutungen können z. b. sein:

Er war immer aufmerksam und freundlich“ bedeutet „Die Zusammenarbeit mit ihm war angenehm.
Er wusste sich gut zu verkaufen und war tüchtig“ bedeutet „Er war ein unangenehmer Mitarbeiter
Gegenüber seinen/ihren Mitarbeitern/innen bewies er/sie immer umfassendes Einfühlungsvermögen“ bedeutet „Er/sie war homosexuell.
Er verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir wünschen für die Zukunft alles Gute und bedauern sein Ausscheiden sehr“ bedeutet „Wir bedauern sehr, ihn gehen lassen zu müssen.
Er verlässt uns auf eigenen Wunsch“ ohne Zusatz bedeutet „Wir kommen gut ohne ihn aus.

Auch die Gruß- und Dankformel am Ende eines Arbeitszeugnisses kann gedeutet werden, so steckt hinter dem Satz „Wir wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg“ eine überaus negative Bewertung der Arbeitsleistung. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Formulierungen in einem Arbeitszeugnis, die sich alle zuerst durchaus positiv anhören, in ihrer Auslegung aber alles andere als positiv gemeint sind. Auch Zwischennoten sind mit entsprechender Wortwahl möglich. Ein Arbeitszeugnis muss also sehr kritisch geprüft werden.